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Antweiler Mühle im Wandel der Zeit

Autor: Winfried Raths
Aus dem Heimatjahrbuch des Kreises Ahrweiler 2008
Die Mühlen an der Oberahr und ihren Seitentälern waren über Jahrhunderte hinweg wichtige Bestandteile des wirtschaftlichen Lebens der Menschen in der Region. Die Mühle, der Backofen im Haus oder „das Backes“ im Dorf, sowie das Brotbacken nahmen einen bedeutenden Platz in der örtlichen Gemeinschaft ein. Mit der Verbesserung der wirtschaftlichen Verhältnisse nach dem 2. Weltkrieg endete die große Zeit der Mühlen im Adenauer Land. Das Brotbacken zuhause wurde aufgegeben, Brot kaufte man beim Bäcker. In den 50ziger Jahren begann das Mühlensterben. Viele kleinere Mühlen arbeitet nicht mehr wirtschaftlich verschwanden ganz, indem sie abgerissen wurden oder anderen Bauten weichen mussten. Andere stellten ihren Betrieb ein und versanken in einen Dornröschenschlaf.

Die im Leben der Eifelbevölkerung tief verwurzelte Tradition der Mühlen und deren einsetzenden Niedergang war immer wieder Anlass für Autoren, hierüber im Heimatjahrbuch des Kreises Ahrweiler zu berichten. Autor Josef Scheppe berichtete im Heimatjahrbuch 1964 über die sterbenden Eifelmühlen und hielt den damaligen Besitzstand im ehemaligen Amt Antweiler fest. „Viele Mühlenräder stehen still“ überschrieb Peter Weber in seinen Erinnerungen an frühere Mühlen im oberen Ahrtal im Heimatjahrbuch 1984 seinen Beitrag. Die Mühle in Antweiler, die heute im Eigentum der Familie Gillig ist, nahm in den Beiträgen immer einen besonderen Platz ein.

Zunächst einmal zur Geschichte der Antweiler Mühle, die nachweislich mehr als 320 Jahre alt ist. Das Alter der Mühle und der Name des 1. Eigentümers sind nämlich in einem Türsturz festgehalten, der sich noch heute über der Eingangstür befindet. Dieser Balken trägt die Jahreszahl 1686 und das Wappen des Herzogs vom Arenberg, dem die Mühle unterstand. Am heutigen Standort der Mühle wurde vorher ein Eisenverhüttungswerk betrieben . Der alte Name des Ortsteils „Auf der Hütte“, der seit der Neubenennung der Straßen in Antweiler zu Beginn der 60er Jahre auch für einen Straßennamen in diesem Bereich verwand wurde, ist ein Beweis hierfür. Hier in Antweiler wurden vor allem Takenplatten gegossen. Eisenerze schürfte man in den Schächten von Lommersdorf und Freilingen, Holzkohle lieferte der Wald um Antweiler, und die Wasserkraft nutzte man zum Antrieb der Blasebälge

Früher hatte jedes Haus „auf der Hütte“ eine Takenplatte. Sie trugen meist Motive der heiligen Schrift.
.Agnes Gillig weist in ihrem Buch „Antweiler – im Wechsel der Jahrhunderte“ im Jahre 1992 daraufhin, dass anzunehmen ist, dass die Mühle in Antweiler nach dem Erliegen der Eisenverhüttung eingerichtet wurde. Der 30-jährige Krieg (1618-1648) sowie die Raubzüge, die nach seiner Beendigung das Land heimsuchten, brachten viele Hüttenwerke an den Rand des Ruins. So könnte auch das Hüttenwerk in Antweiler in dieser Zeit seine Arbeit eingestellt und mit der verbliebenen Wasserkraft der Ahr wurde hier ab 1686 eine Kornmühle betrieben .Es wird vermutet, das sogar schon vorher dort auch ein Eisenschneidewerk eingerichtet wurde. Beide Korn- und Schneidemühle haben so fast ein Jahrhundert nebeneinander bestanden. Mit der Auflösung des Herzogtums Arenberg 1794 scheint die Schneidemühle ihren Betrieb eingestellt zu haben.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts kam die Mühle in Privatbesitz. Die anschließenden Besitzer Blum, Kolf, und Ramers sind bekannt. Nach dem Tode von Ramers übernahm Nikolaus Gillig, der Urgroßvater des heutigen Mühlenbesitzers Ewald Gillig, die vakante Stelle als Müller. Vermittelt hatte dies sein Bruder Johann Gillig, der damals amtierende Pfarrer von Antweiler.(1869-1890). Mit seiner Hilfe wurde auch der spätere Kauf der Mühle abgewickelt. Vorausgegangen war die Eheschließung der Witwe Ramers, geborene Kolf mit Nikolaus Gillig. Im Jahre 1892 ging die Mühle in den Besitz der Familie Gillig über, die heute bereits in der 4. Generation das Unternehmen führt.

Der Anfang des 20. Jahrhunderts war von für diese Zeit fortschrittlichen Überlegungen der Eigentümer der Mühle geprägt, die bis heute Auswirkungen haben. Man entschied sich, die alten Wasserrädern abzureißen und an ihrer Stelle im heutige Gebäude eine Turbine einzubauen um mit dieser die Mühle anzutreiben und gleichzeitig Strom zu erzeugen. Es handelte sich um 220 Volt Gleichstrom. Zu diesem Zweck war eine Genossenschaft gegründet worden, der mehrere Antweiler Bürger angehörten. Am Sonntag den 27. Oktober 1912 war es soweit, Antweiler hatte als erster Ort in der Region ´´ Licht in Häusern und Strassen´´. Nach dem 2. Weltkrieg bahnte sich eine Wende an. Die Haushalte erhielten mehr Elektrogeräte, die für Wechselstrom eingerichtet waren. Zudem stieg der Bedarf an elektrischem Strom. Im Jahre 1948 wurde deshalb die Konzession zur Stromversorgung der Gemeinde Antweiler an das RWE abgegeben und der Strom nur privat genutzt.

Hinzuweisen gilt es noch darauf, dass 1928 ein Brand im Nachbargebäude, der Scheune, ausbrach und Teile der Mühle zerstörte. Im gleichen Jahr wurde aber alles wieder aufgebaut.

Peter Gillig, der Vater des heutigen Eigentümers Ewald Gillig, verstarb im Jahr 1958. Mit seiner Mutter Anna Gillig übernahm Sohn Ewald Gillig den Mühlenbetrieb. 1965 legt er die Meisterprüfung im Müllerhandwerk ab, seinerzeit als jüngster Müllermeister Deutschlands. Die Mühle war in dieser Zeit, anders wie viele ihrer Artgenossen, noch voll in Betrieb. Wie auch Josef Scheppe in seinem Beitrag im Heimatjahrbuch 1964 vermerkte, „dass die neuere, mit Turbinen ausgestattete Mühle in Antweiler noch voll auf zu tun hat“.

Noch bis 1976 wurde in der Mühle Getreide gemahlen. Erst in diesem Jahr wurde der Mahlbetrieb eingestellt, da sich der Betrieb wirtschaftlich nicht mehr rentierte. Lediglich die Turbine liefert seid dieser Zeit umweltfreundlichen Strom ins Netz des RWE. Aus dem Mühlenbetrieb ist auf dem ehemaligen Bahngelände am Ortsrand von Antweiler ein moderner Landhandelsbetrieb entstanden, der heute schon in einer weiteren Generation vom Sohn Peter Gillig geführt wird.

Nach der Einstellung des Mühlenbetriebes war es zunächst auch um die Antweiler Mühle ruhig geworden. Der Eigentümer entschloss sich jedoch 2001 die Mühlentradition in Antweiler wieder aufleben zu lassen, restaurierte die Mühle in den letzten Jahren mit viel Mühe und Aufwand, um so auch ein Stück Mühlengeschichte aufrecht zu erhalten. Dabei baute er den ehemaligen Kornspeicher der Mühle zu einem Veranstaltungsraum um, in dem inzwischen Veranstaltungen verschiedenster Art stattfinden. In den letzten zwei Jahren machten zwischen Weihnachten und Silvester die Antweiler Konzerte mit klassischer Musik „Zwischen den Jahren“ auf sich aufmerksam. Auch zu Ausstellungen werden die Räumlichkeiten genutzt. 2005 präsentierte unter anderem der überörtlich bekannte Titus Lerner seine „Menschenbilder“ mit einem umfangreichen Begleitprogramm. Aber auch örtliche Vereine und Gruppierungen laden zu den unterschiedlichsten Anlässen in die Mühle ein. Zu den baulichen Veränderungen gehört auch, das im Jahre 2005 nach alten Vorgaben gefertigte und 4,8 Tonnen schwere eicherne Mühlrad, das jetzt auch optisch für eine weitere Mühlenattraktion sorgt.

Josef Scheppe stellte im Heimatjahrbuch des Kreises Ahrweiler 1964 bereits vorausschauend fest: „Es wird die Zeit nicht fern sein, da das Mühlrad nur noch als Gegenstand romantischer Betrachtung in den Dienst des Fremdenverkehrsamtes gestellt sein wird.“ Die Ahr. Rhein, Eifel, Marketing - Tourismus und Service GmbH des Kreises Ahrweiler hat das Thema bereits aufgegriffen, in dem in der Verbandsgemeinde Adenau auf einer Gesamtstrecke von 68 km „Auf den Spuren alter Mühlen“ zu einer Wanderung eingeladen wird. Die Antweiler Mühle kann dabei auch besichtigt werden. Der neue Fahrradweg entlang der Ahr von ihrer Quelle in Blankenheim ahrabwärts in Richtung Mündung in den Rhein führt fast unmittelbar an der Mühle vorbei und wird zum Besuch animieren.

Die Antweiler Mühle nahm in diesem Jahr Pfingstmontag zum dritten mal am von der Deutschen Gesellschaft für Mühlenkunde und Mühlenerhaltung (DGM) e.V. ausgerichteten deutschen Mühlentag teil und vertrat dabei mit weit über 1000 Mühlen in ganz Deutschland auch die Farben des Kreises Ahrweiler, indem sie ihre Tore zur Besichtigung öffnete und ein umfangreiches Programm vielen Besuchern anbot. Bundeswirtschaftsminister Glos dankte als Schirmherr der Veranstaltung in seinem Grußwort, dass „viele alte Mühlen in Deutschland eine Art „Renaissance“ erleben und vielerorts sich die Menschen um die Restaurierung und den Erhalt historischer Mühlen bemühen“. Die Antweiler Mühle ist ein augenscheinliches Beispiel hierfür.
In vielen Volksliedern wird die Mühle besungen und in Gedichten ihre Arbeitsweise beschrieben. Die Ehrfurcht vor dem Brot als Symbol des Lebens und des Wohlstandes kommt darin zum Ausdruck
Möge die´´ Antweiler Mühle´´ mit ihrer alten vollfunktionsfähigen Technik und die Nutzung der Wasserkraft zur umweltfreundlichen Stromerzeugung auch noch kommenden Generationen weiterhin erhalten bleiben.

Quellen:

Heimatjahrbuch Kreis Ahrweiler, 1964 S 106 ff:
Josef Scheppe: Sterbende Eifelmühlen

Heimatjahrbuch Kreis Ahrweiler, 1984, S. ff:
Peter Weber: Viele Mühlräder stehen still! – Erinnerungen an frühere Mühlen im oberen Ahrtal

Agnes Gillig: Antweiler / Ahr- Im Wechsel der Jahrhunderte (1992, S 107 ff: )

Rhein-Zeitung vom 24.5.2007: „Mühlrad sorgt für Licht“ Artikel aus Anlass des
14. Deutschen Mühlentages an Pfingsten 2007